Dorothea Rust

Artist Statement (DE):

Mein Hintergrund in postmodernem Tanz, die Auseinandersetzung mit dem Körper in Bewegung, das Risiko und Spiel mit der Schwerkraft, der latente Verlust der Kontrolle und die Beziehung zu Raum in seine verschiedenen Bedeutungsebene, sind Motor meiner Arbeit, in meiner performativen Praxis.

 

Der Körper ist sozusagen der (kleinste) gemeinsame Nenner, den Menschen mit anderen Lebewesen und Dingen teilen. Ich verstehe Körper immer in Bezug zu und als Raum, er kann nicht ohne Raum gedacht werden. Das Prekäre ist, dass er uns (vor allem heute im mediatisierten Leben) abhanden kommen kann und sich ständig transformiert, uns immer wieder erleben lässt, dass wir ihn evtl. gar nie besessen haben.

Denn meine (unsere) Sprachen haben sich (schon längst) verästelt, dehnen sich aus auf technologische Aufzeichnungs- und Ausdrucksmedien, auf Handlung mit Objekten, Musik, Sound, Text, auf Bewegung und Choreographie. Und werfen immer wieder ein neues Licht auf die Beziehung und das Mit-Sein mit Anwesenden (Publikum, Besucher/innen) und Anderen (Performer/innen), zeitgleich in einem Raum oder auch verschoben an unterschiedlichen Orten.

Ich erachte Performance nicht als einzigartiges, ephemeres Ereignis, das wie eine Luftblase verpufft. Ich bewege mich in einem Milieu*6, bin in einer Strömung; Performance ist eher eine momentane Störung, eine Intervention, ein Dazwischenfunken, und jede Art von Aufbereitung (Skript, Notation) und Dokumentation (Erzählung, Fotos, Video, Audio) wiederum Spur und Skript und als solche wieder Material für die nächste Performance, Intervention, Störung etc., sozusagen der Faden der Ariadne in einem Labyrinth mit vielen Ausgängen, der wieder aufgegriffen wird, nicht nur von mir auch von Anderen. Denn die Performance gehört nicht mir, sie ist Teil eines Milieus*6 zu dem ich, die/der Andere und viele Andere und viel Anderes ebenso gehören.

 

*6 Über den Begriff Milieu bin ich bei Jean-Luc Nancy gestolpert. Milieu sei, wo ein Dasein als Mitsein verfasst sei, wo Einzelne nur als Pluralität gegeben seien und doch eines Mittlers nicht bedürften, weil das Milieu des ‚mit’ zwischen den miteinander existierenden Singularitäten eine ursprüngliche Verwandtschaft, eine Gleichartigkeit schaffe, die in der Materialität ihrer Körperlichkeit bestehe. Aus: Sybille Krämer: Medium, Bote, Übertragung – Kleine Metaphysik der Medialität, 2008 , S. 54 – 66

 

© Dorothea Rust, 2017